Lebenslanges Lernen mit dem Schwerpunkt Europabildung in Ostsachsen

Projektantrag an das Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB)

Förderung nach § 13 WbFöVO für die Haushaltsjahre 2026 und 2027

Schwerpunkt: politische Bildung

Projektbeschreibung

Das Projekt zielt auf die Stärkung der politischen Bildung mit Schwerpunkt Europabildung in den Landkreisen Görlitz und Bautzen. Angesichts wachsender Herausforderungen wie Populismus, Desinformation, Abwanderung junger Menschen und gesellschaftlicher Polarisierung sollen Bürgerinnen und Bürger befähigt werden, demokratische Werte zu verteidigen, interkulturelle Verständigung zu fördern und aktiv an politischen Entscheidungsprozessen teilzunehmen.

Die fortschreitende europäische Integration erfordert ein fundiertes Verständnis von europäischen Strukturen, Kulturen und politischen Prozessen. Gerade in Ostsachsen – mit seiner direkten Anbindung an Polen und Tschechien – ist Europabildung ein zentraler Faktor für Verständigung, wirtschaftliche Zusammenarbeit und politische Mitgestaltung.

Mit dem Projekt wird das Ziel verfolgt, lebenslanges Lernen im Bereich Europabildung systematisch zu fördern und Menschen für europäische Themen zu sensibilisieren. Dafür kommen niedrigschwellige, barrierearme und partizipative Bildungsformate zum Einsatz, die auch bildungsferne Zielgruppen erreichen und europäische Zusammenhänge erfahrbar machen.

Projekthintergrund

Die Region Ostsachsen steht vor besonderen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen. Wirtschaftlicher Strukturwandel, Abwanderung junger Menschen und eine alternde Bevölkerung führen zu Fachkräftemangel, sinkender Kaufkraft und einer Schwächung sozialer Strukturen. Zugleich verstärken politische Polarisierung, EU-Skepsis und die Verbreitung von Desinformation gesellschaftliche Spannungen.

Gleichzeitig eröffnet die Grenzlage zu Polen und Tschechien vielfältige Chancen für Begegnung, Kooperation und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Um diese Potenziale zu nutzen, braucht es ein vertieftes Verständnis für europäische Institutionen, historische und kulturelle Zusammenhänge sowie gemeinsame Werte. Hier setzt Europabildung an: Sie stärkt kritische Urteilsfähigkeit, demokratische Teilhabe und interkulturelle Verständigung in einer von Wandel und Unsicherheit geprägten Region.

Zentrale Zusammenhänge zwischen lebenslangem Lernen und Europabildung

  • Bildungspolitik der EU: Europäische Programme wie Erasmus+ fördern lebenslanges Lernen in allen Lebensphasen.
  • Interkulturelle Kompetenz: Europabildung vermittelt kulturelle, historische und politische Vielfalt und befähigt, diese im Alltag anzuwenden.
  • Berufliche Mobilität: Durch Weiterbildung können Menschen ihre Qualifikationen anpassen und im europäischen Arbeitsmarkt bestehen.
  • Demokratische Teilhabe: Europabildung stärkt das Verständnis für Institutionen und Prozesse der EU und befähigt zu aktiver Mitwirkung.

Projektziele

Das Projekt verfolgt folgende Ziele:

  • Stärkung der europäischen Identität und des Verständnisses für gemeinsame Geschichte, Werte und kulturelle Traditionen,
  • Vertiefung des Wissens über europäische Institutionen, Entscheidungsprozesse und aktuelle Entwicklungen,
  • Förderung interkultureller Kompetenz und grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit Polen und Tschechien,
  • Befähigung zur aktiven demokratischen Teilhabe durch Bürgerdialoge, Debattenkultur und kritische Urteilsbildung,
  • Vermittlung zentraler Werte wie Toleranz, Menschenwürde und Menschenrechte,
  • Stärkung sozialer Strukturen in Ostsachsen durch europäische Bildungsimpulse, die Abwanderungstendenzen entgegenwirken und berufliche Mobilität fördern,
  • Sensibilisierung für aktuelle europäische Herausforderungen wie Klimawandel, Migration und soziale Gerechtigkeit.

Zielgruppen

Das Projekt richtet sich an die Bevölkerung des deutschen Teils der Euroregion Neisse-Nisa-Nysa (Landkreise Görlitz und Bautzen). Priorität erhalten:

  • Bürger/-innen der grenznahen Kommunen
  • Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren sowie Studierende/Auszubildende
  • Lehrkräfte an Förder-, Ober- und Gymnasialschulen
  • Seniorinnen und Senioren
  • Multiplikator/-innen, Kommunalpolitiker/-innen, Fachexpert/-innen
  • Jugendliche und junge Erwachsene
  • Frauen sowie Kleinunternehmer/-innen und Kleinunternehmer
  • Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen ab 18 Jahren
  • Mitarbeitende anderer Bildungseinrichtungen, insbesondere aus dem Bereich Demokratiebildung

Inhaltliche und thematische Schwerpunkte

Das Projekt setzt folgende thematische Schwerpunkte:

  • Europäische Politik und Geschichte im Kontext von Demokratie und Menschenrechten
  • Bedeutung interkultureller Kommunikation
  • Begegnung und Mobilität – Austausch und Kooperation in der europäischen Geschichte
  • Politische, wirtschaftliche, digitale und sozial bedeutsame Entwicklungen

Themenschwerpunkt 1: Vier Völker im Dreiländereck

Historischer Fokus 1000 Jahre Polen (Piasten–Piłsudski), 1000 Jahre Böhmen/Mähren, 1400 Jahre Sorben; 900 Jahre Deutsche in der Oberlausitz.
Aktueller Bezug Grenzüberschreitende Kooperation in der Euroregion, Minderheitenrechte, europäische Identität in Grenzräumen; Umgang mit Geschichts-Desinformation.
Methoden (partizipativ/barrierearm) Kurzvortrag, Kartenarbeit & Zeitstrahl-Workshop, Biografiearbeit; Fishbowl mit Planspiel „Euroregionsrat“; Materialien in Leichter Sprache, Piktogramme.
Projektziel-Bezug Interkulturelle Kompetenz; Debattenkultur & Kultur des Zuhörens; Stärkung europäischer Identität; aktive Teilhabe sorb. Vertreter/in

Themenschwerpunkt 2: Beruf oder Berufung

Historischer Fokus Lebensberuf, Zwangs- vs. freiwillige Neuorientierung in der Geschichte.
Aktueller Bezug Strukturwandel Lausitz, Fachkräftemangel, EU-Arbeitsmobilität, Anerkennung von Abschlüssen; Bedeutung des lebenslangen Lernens.
Methoden (partizipativ/barrierearm) Lebenslauf-Werkstatt, Rollenspiel „Beratungsstelle“, Matching-Übungen; Info-Stationen zu EU-Programmen; leicht lesbare Arbeitsblätter.
Projektziel-Bezug Urteilsfähigkeit in Bildungs-/Berufsfragen; Abbau von Bildungsbarrieren; Teilhabe am Arbeitsleben.

Themenschwerpunkt 3: Die „via sacra“ in der EuroRegion Neisse

Historischer Fokus Gnaden-/Grenzkirchen, Heiliges Grab, Zisterzienserinnen; sorbische Religiosität; Jan Hus & Böhmische Brüder.
Aktueller Bezug Kulturroute & Denkmalpflege heute, interreligiöser Dialog, EU-Kulturförderung; Tourismus als europäisches Gemeinschaftsprojekt
Methoden (partizipativ/barrierearm) Exkursion (barrierearm), Audio-Guides, Kartenarbeit; moderierte Gesprächsrunden mit Gemeinden; digitale Pinnwand (Pad) in einfacher Sprache
Projektziel-Bezug Toleranz & Menschenwürde; Respekt vor Vielfalt; Vernetzung in der Euroregion

Themenschwerpunkt 4: Energieerzeugung in Mitteleuropa

Historischer Fokus Anfänge der Energiegewinnung; Braunkohle & Devastierungen (120 Dörfer); Nachnutzung  (Seen/Weinberge).
Aktueller Bezug Energiewende, EU-Green-Deal, Strukturwandel Lausitz, Versorgungssicherheit; Beteiligung der Bürgerschaft.
Methoden (partizipativ/barrierearm) Planspiel „Energie-Bürgerrat“, Kosten-Nutzen-Karten, einfache Rechenübungen zu Verbrauch/Kosten; Experten-Talk; Materialien in Leichter Sprache.
Projektziel-Bezug Urteilsfähigkeit in politischen/ökonomischen Fragen; Debattenkultur; demokratische Teilhabe

Themenschwerpunkt 5: Von Kelten, Slawen und Vandalen – Völkerwanderungen

Historischer Fokus Siedlungsräume Sorben/Wenden; Grenzverschiebungen Mittelosteuropa; deutsche Siedlungen (Siebenbürgen/Zips); England: Normannen–Angelsachsen
Aktueller Bezug Migration heute, EU-Freizügigkeit, Integration; Faktencheck gegen Mythen; Minderheitenrechte
Methoden (partizipativ/barrierearm) Faktencheck-Workshop (Bild-/Quellenprüfung), Storytelling, Kartenarbeit; Fishbowl mit Zugewanderten; Visualisierungen in einfacher Sprache
Projektziel-Bezug Toleranz & Menschenrechte; kritischer Umgang mit Informationen; europäische Identität

Themenschwerpunkt 6: Religionen in Europa

Historischer Fokus Koexistenz im span. Mittelalter; Expansion des Osmanischen Reiches; Vielvölkerstaat Rumänien
Aktueller Bezug Religionsfreiheit in der EU, Laizität, interreligiöser Dialog; Prävention von Antisemitismus/Islamfeindlichkeit
Methoden (partizipativ/barrierearm) Dialogregeln-Workshop, Perspektivwechsel-Rollenspiel; Podium mit Religionsvertreter/innen; digitale Feedback-Tools; Leichte-Sprache-Handouts
Projektziel-Bezug Toleranz, Menschenwürde, Menschenrechte; Debattenkultur

Themenschwerpunkt 7: Modell Habsburger Monarchie oder „Ein Land – ein Volk“

Historischer Fokus Supranationalität (Habsburg) vs. Nationalstaat; Bedeutungswandel von Grenzen/Nationalität
Aktueller Bezug EU als supranationales Projekt, Subsidiarität; Nationalismus/Populismus; Souveränitätsdebatten
Methoden (partizipativ/barrierearm) Mini-Planspiel „Europaparlament“, Pro/Contra-Debatte, Kompetenz-Visualisierung (EU – Bund – Land – Kommune); barrierearme Moderation
Projektziel-Bezug Demokratische Teilhabe; Urteilsfähigkeit; Stärkung europäischer Identität

Methoden und Formate

Die Projektumsetzung setzt auf interaktive, partizipative und lebensweltorientierte Formate, die besonders auch bildungsungewohnte Menschen erreichen sollen. Dazu gehören:

  • Bürgerdialoge und Diskussionsforen in Gemeinden
  • Workshops und Seminare mit barrierearmer Sprache
  • Planspiele und Simulationen (z. B. Europaparlament)
  • Fishbowl-Diskussionen und Streitgespräche zur Förderung der Debattenkultur
  • Digitale Lernangebote (Online-Kurse, Lernplattformen)
  • Begegnungen mit Expert/-innen, Politiker/-innen und internationalen Gästen
  • Partizipative Methoden wie Ideenwerkstätten, Feedback-Runden, Evaluation durch Teilnehmende

Workshops in barrierearmer Sprache beinhalten:

  • Klare und einfache Satzstrukturen
  • Vermeidung oder Erklärung von Fachbegriffen
  • Nutzung visueller und haptischer Materialien
  • Unterlagen in Leichter Sprache
  • Interaktive Elemente wie Gruppenübungen, Rollenspiele
  • Flexible Lerntempi und Pausen
  • Bei Bedarf Gebärdensprachdolmetschung oder Vorlesehilfen

Erwartete Ergebnisse und Wirkung

  • Erhöhung der politischen und europäischen Handlungskompetenz der Zielgruppen
  • Stärkung der Urteilsfähigkeit zu gesellschaftlichen und politischen Fragen
  • Festigung demokratischer Werte, Toleranz und Menschenwürde
  • Förderung der Debattenkultur und Kultur des Zuhörens
  • Abbau von Bildungsbarrieren in ländlichen Räumen
  • Aufbau nachhaltiger Strukturen für europäische Kooperation und Bürgerdialoge

Messindikatoren

  • Anzahl durchgeführter Veranstaltungen: mind. 15 pro Projektjahr
  • Erreichte Teilnehmende: 180 Personen/Jahr
  • Durchschnittliche Teilnahmedauer: 6 Lerneinheiten pro Person
  • Anteil bildungsungewohnter Teilnehmender: mind. 25 %
  • Zufriedenheitsquote (Feedbackbögen): mind. 85 % positiv

Hinweis gemäß Durchführungserlass

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

Kontakt

Projektleitung
Ralf Ostrowski
ostrowski@ibz-marienthal.de
Tel. +49 (0) 35823 – 77 272

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.